RPM – Kommunikationshilfe

Für Eltern von Kindern, die non-verbal sind, kann die Reise zur Sprache bzw. Kommunikation eine besonders herausfordernde und emotional aufgeladene Zeit sein. Mein Sohn Henry war lange Zeit non-verbal. Als Mutter erlebte ich die vielen Hürden und die oft missverstandenen Bedürfnisse eines Kindes, das sich nicht in der gewohnten Art und Weise ausdrücken konnte. Doch heute ist Henry auf einem ganz anderen Weg: Er spricht vollständige Sätze und hat das wiederholende Echo von Wörtern (Echolalie) hinter sich gelassen. Aber dieser Fortschritt kam nicht von allein – er war das Ergebnis von intensiver Arbeit und speziellen Kommunikationshilfen, die uns auf diesem langen Weg begleitet haben.

Die Herausforderung der non-verbalen Kommunikation

Zu Beginn war Henrys Sprachentwicklung von starker Echolalie geprägt – er wiederholte oft das, was wir sagten, ohne dass es eine tiefergehende Bedeutung hatte. Das war natürlich ein erster Schritt, aber für mich als Mutter war es eine schwere Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass Henrys Welt zwar laut war, aber dass er sich nicht wirklich mitteilen konnte. Dies ist eine häufige Erfahrung für Eltern von Kindern mit Apraxie, einer motorischen Sprechstörung, bei der die Koordination der Mundmuskulatur erschwert ist und es schwierig wird, die richtigen Worte zu formen.

Der Einfluss von RPM (Rapid Prompting Method)

Das RPM-Programm (Rapid Prompting Method) ist eine Methode zur Förderung der Kommunikation bei Menschen mit Autismus und anderen Entwicklungsstörungen, die keine verbale Sprache entwickeln oder Schwierigkeiten damit haben. Das RPM wurde von Soma Mukhopadhyay entwickelt, einer Frau, die selbst Autismus hat und die Methode anwendet, um die Kommunikation von Menschen, die als non-verbal gelten, zu verbessern.

Grundprinzipien des RPM:

  1. Verwendung von Buchstabentafeln oder Tastaturen: Das RPM setzt auf die Nutzung von Hilfsmitteln wie Buchstabentafeln, die den Kindern helfen, Buchstaben zu erkennen und zu tippen, um ihre Gedanken und Bedürfnisse auszudrücken. Die Kinder zeigen dabei auf die Buchstaben oder verwenden eine spezielle Tastatur, die es ihnen ermöglicht, mit ihren Betreuern zu kommunizieren.
  2. Anregung durch prompten: Die Methode beruht darauf, das Kind aktiv zum Antworten zu ermutigen, indem der Betreuer oder die Lehrperson klare und einfache Fragen stellt und dabei sanfte Hinweise gibt, um dem Kind zu helfen, die Antwort zu finden. Diese Hinweise werden als „Prompting“ bezeichnet.
  3. Keine Annahme von Unfähigkeit: Ein wichtiger Aspekt des RPM ist die Überzeugung, dass auch Kinder, die scheinbar keine verbale Kommunikation entwickeln, sehr wohl in der Lage sind, komplexe Gedanken und Bedürfnisse zu haben. Das Programm basiert darauf, diese unerkannte Fähigkeit zur Kommunikation zu erschließen.
  4. Intensive Unterstützung und Geduld: RPM erfordert viel Geduld und ein intensives Training von sowohl den Kindern als auch den Lehrpersonen oder Betreuern. Es geht darum, das Kind Schritt für Schritt zu unterstützen und seine Stärken zu erkennen.
  5. Förderung von Selbstbestimmung: Ein weiteres Ziel des RPM-Programms ist, den Kindern zu helfen, ihre eigene Stimme zu finden, indem sie lernen, ihre Gedanken und Wünsche klarer auszudrücken und mehr Kontrolle über ihre Kommunikation zu gewinnen.

Wie funktioniert das RPM in der Praxis?

In der Praxis wird das Kind in einer ruhigen Umgebung gebeten, auf eine Buchstabentafel oder eine Tastatur zu schauen, während der Betreuer Fragen stellt. Die Fragen sind so formuliert, dass sie einfache und konkrete Antworten erfordern. Der Betreuer beobachtet die Reaktion des Kindes, und wenn nötig, gibt er einen sanften Hinweis, um dem Kind zu helfen, die richtige Antwort zu finden.

Das RPM hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten, da viele Eltern und Fachleute berichten, dass es den Kindern hilft, sich auszudrücken, die ihre Gedanken und Gefühle zuvor nicht verbal mitteilen konnten.

Kritik und Herausforderungen:

Das RPM ist nicht unumstritten. Einige Experten stellen infrage, ob die Methode wirklich eine eigenständige Form der Kommunikation fördert oder ob die Antworten des Kindes eher durch den Betreuer „geleitet“ werden, ohne dass das Kind wirklich seine eigenen Gedanken äußert. Dennoch haben viele Familien und Therapeuten positive Ergebnisse berichtet, und es gibt zunehmende Forschung, die das RPM weiter untersucht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das RPM-Programm ein innovativer Ansatz für die Förderung der Kommunikation bei non-verbalen oder wenig verbalen Kindern ist, besonders bei denen, die mit Autismus oder ähnlichen Entwicklungsstörungen leben. Es zielt darauf ab, den Kindern eine Stimme zu geben, die über verbale Sprache hinausgeht.

Die Bedeutung von Geduld und individueller Förderung

Wir haben vor einiger Zeit die Methode „Spell2Communicate“ ausprobiert, um Henrys Kommunikation zu fördern. Henry kennt Buchstaben und Zahlen seit er 3,5 Jahre alt ist und hatte daher keine Schwierigkeiten, diese auf den Schablonen zu erkennen. Allerdings fiel es ihm schwer, selbstständig zu buchstabieren. Seine motorischen Fähigkeiten waren dabei nur teilweise ein Hindernis.

Leider waren wir mit dem Provider nicht zufrieden. Obwohl es wöchentliche Checkups gab, fehlte es an unterstützendem Material zum Nachlesen. Statt konkreter Anleitungen oder Hilfestellungen hieß es oft nur „Try it. Give it a go.“ – was auf Dauer sehr frustrierend war. Nach nur zwei Monaten entschieden wir uns, das Programm abzubrechen.

Kurz danach stieß ich auf RPM (Rapid Prompting Method), den Vorreiter von Spell2Communicate. Zu RPM gibt es zahlreiche Bücher und Online-Materialien, was mir die Möglichkeit gibt, mich selbst tiefer mit der Methode auseinanderzusetzen. Ich plane, einen weiteren Versuch zu starten, da ich in RPM großes Potenzial sehe – auch für bereits verbale Kinder, die sich auf einer tieferen Ebene ausdrücken möchten.

Für alle Eltern, die ähnliche Herausforderungen erleben, möchte ich sagen: Gebt nicht auf! Mit Geduld, Unterstützung und der richtigen Methode kann auch euer Kind die Sprache finden, die es braucht, um sich auszudrücken.

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