Was ist Familienhospitzkarenz?
In Österreich ermöglicht die Familienhospizkarenz Arbeitnehmer*innen, sich vorübergehend von der Arbeit freistellen zu lassen oder ihre Arbeitszeit zu reduzieren, um sich um schwer kranke oder sterbende Angehörige oder schwer behinderte Kinder zu kümmern. Die gesetzliche Grundlage dafür ist das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG).
Wesentliche Punkte der Familienhospizkarenz für schwer behinderte Kinder:
- Anwendungsfall:
- Sie können Familienhospizkarenz in Anspruch nehmen, um schwer behinderte Kinder in besonders schwierigen Lebenssituationen, wie bei einer schweren Erkrankung oder dem Sterbeprozess, zu betreuen.
- Anspruch:
- Arbeitnehmer*innen haben einen Anspruch auf Familienhospizkarenz, sofern es in ihrer Familie einen Anlassfall gibt. Dies gilt für:
- Ehepartner*innen
- Lebensgefährt*innen
- Eltern
- Kinder und andere enge Angehörige.
- Arbeitnehmer*innen haben einen Anspruch auf Familienhospizkarenz, sofern es in ihrer Familie einen Anlassfall gibt. Dies gilt für:
- Dauer:
- Die Familienhospizkarenz kann für eine Dauer von bis zu 3 Monaten beantragt werden.
- Bei Bedarf ist eine Verlängerung um weitere 3 Monate möglich.
- Formen:
- Freistellung von der Arbeit: Die Arbeit wird für die Dauer der Karenz vollständig ausgesetzt.
- Arbeitszeitreduktion: Die Arbeitszeit wird entsprechend den Betreuungsbedürfnissen reduziert.
- Antragstellung:
- Die Familienhospizkarenz muss beim Arbeitgeber schriftlich beantragt werden.
- Die schwierige Lebenssituation des Kindes muss mit ärztlichen Unterlagen oder einem Attest nachgewiesen werden.
- Jobgarantie:
- Während der Familienhospizkarenz ist der Arbeitsplatz gesichert. Nach der Karenz haben Arbeitnehmer*innen das Recht, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.
- Finanzielle Unterstützung:
- Arbeitnehmer*innen können beim Sozialministeriumservice eine finanzielle Unterstützung in Form des Familienhospizkarenzgeldes beantragen. Dieses orientiert sich an der Höhe des Arbeitslosengeldes.
- Kombination mit Pflegekarenz:
- Die Familienhospizkarenz kann mit einer Pflegekarenz kombiniert werden, falls der Pflegebedarf des Kindes dies erfordert.
Vorteile der Regelung:
- Sie ermöglicht es Eltern, sich in emotional und körperlich herausfordernden Zeiten intensiv um ihre Kinder zu kümmern, ohne den Arbeitsplatz zu verlieren.
- Durch das Familienhospizkarenzgeld wird zumindest ein Teil der finanziellen Belastung abgefedert.
Unsere Erfahrungen mit der Familienhospitzkarenz
Im Jahr 2023 haben wir zum ersten Mal einen Antrag auf Familienhospitzkarenz gestellt. Zu diesem Zeitpunkt war ich beim AMS gemeldet. Mein Sachbearbeiter hat mich damals abgemeldet, um den Weg für die Familienhospitzkarenz zu ebnen – ein Schritt, der notwendig ist, da diese Abmeldung zusammen mit dem Antrag eingereicht werden muss.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ein Pflegegrad vorliegen muss. Ohne diesen wird der Antrag nicht genehmigt. Glücklicherweise verlief unser erster Antrag problemlos, und wir erhielten eine Genehmigung für die vollen neun Monate. Während dieser Zeit konnten wir Familienhospitzkarenzgeld beziehen, was uns zumindest finanziell ein wenig entlastet hat. In dieser Phase muss man sich nicht zusätzlich Sorgen um die Finanzierung machen, was eine enorme Hilfe darstellt.
Der Folgeantrag: Eine größere Hürde
Aktuell stehen wir erneut vor der Herausforderung, diese Art der Karenz zu beantragen. Doch diesmal gestaltet sich der Prozess schwieriger. Ein Folgeantrag wird vom Sozialministerium nur genehmigt, wenn sich die medizinischen Umstände verschlechtert haben. Um dies zu belegen, habe ich entweder die Möglichkeit, mit Henry zu einem medizinischen Gutachter zu gehen, oder direkt eine medizinische Stellungnahme einzureichen.
Ich habe mich für die zweite Option entschieden und in meiner Stellungnahme ausführlich begründet, warum die Genehmigung dringend erforderlich ist. Die finanziellen Mittel, die durch die Familienhospitzkarenz bereitgestellt werden – etwas mehr als 21 € pro Tag – sind für uns von großer Bedeutung. Die Behandlungen von Henry sind sehr kostenintensiv, und jeder Euro hilft, diese Belastung ein Stück weit abzufedern.
Fazit: Ein wichtiges, aber nicht einfaches Unterstützungsangebot
Die Familienhospitzkarenz ist eine wichtige Unterstützung, die es Familien ermöglicht, sich in schwierigen Zeiten auf das Wesentliche zu konzentrieren – die Fürsorge für ein schwer erkranktes Familienmitglied. Doch der bürokratische Aufwand, insbesondere bei Folgeanträgen, kann eine Herausforderung sein. Ich hoffe inständig auf eine positive Rückmeldung zu unserem aktuellen Antrag und möchte mit diesem Beitrag auch anderen Betroffenen Mut machen, diesen Weg zu gehen.
Habt ihr bereits Erfahrungen mit der Familienhospitzkarenz gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare und einen Austausch!


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